konstruktive Dekonstruktion


 

vorwort zum katalog monobloc 

wir trafen uns in wien auf einer party.

hatten eine kleine dunkle erinnerung wer unser gegenüber sei, weil wir uns schon einmal in nürnberg begegnet waren.
dort hatten wir gemeinsam ein pferd verbrannt.
so etwas verbindet.
wir konnten uns schon dort in nürnberg gut unterhalten.
wir sind nämlich gleich groß.
das passiert nicht oft.
wir sind nämlich beide groß oder lang, so bohnenstangenartige figuren und man trifft selten jemanden der den mund und die ohren auf gleicher höhe hat wie man selbst.
daher verstehen wir uns gut.
und dann auch weil wir uns für so seltsame details interessieren, wie eben, was kann man aus einem sessel alles rausholen;
und was ist eigentlich ein gute skulptur und eine skulptur ist eigentlich nur der test für die nächste und so weiter und dann vergessen wir das alles wieder weil wir uns vor lauter freude des wiedersehens so unwiederstehlich betrinken und das reinigt die erinnerung und wir können beim nächsten mal wieder von vorne anfangen und uns an den kleinen details der abweichung erquicken.
 

ich freu mich schon
bis bald
florian reither, gelitin

monobloc, the valet










































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vorwort zum katalog monobloc 
 
Stummer Diener 


Ein bißchen wirken sie wie eine Kreuzung aus Bügelbrett, Klappleiter und einem Kleiderbügel. Und auch wenn es noch so viele Versuche gibt, dieses Crossover verschiedenster Funktionsträger in eine halbwegs elegante Form zu kleiden, die Gestelle, die unter dem Begriff Stummer Diener katego-risiert werden, werden wohl nie den Status eines einnehmenden Blickfangs erreichen. 

Es ist aber nicht nur das staksige Design, das sie wie aus der Zeit gefallen erscheinen läßt, es ist vor allem der sich hier widerspiegelnde Bekleidungscodex und die damit verbundene Art und Weise, wie wir mit Hemd, Hose und Jackett umgehen sollten, die diese Stand-by-Garderobe zu einem etwas schrulligen Anachronismus stempelt. Denn längst haben wir uns angewöhnt, unsere T-Shirts, Jeans, Blousons und knitternden Leinenjacketts mehr oder weniger leger irgendwohin zu legen: auf Tische, Bänke, vor allem aber auf immer irgendwo herumstehende Stühle. Diese permanente Umnutzung eines ursprünglich nur zum Sitzen gedachten Möbels nimmt Bert Löschner zum Anlass, die eigentlich relativ statische Konfiguration aufzubrechen und den unterschiedlichsten Gebrauchs- und Sitzformen anzupassen. Und welches Stuhlmodell würde sich für eine solche Anpassungs-Deformation besser eignen als jener MONOBLOC genannte Plastikstuhl, der tatsächlich all überall für alle möglichen Zwecke herhalten muss. 

Dass dem so ist, liegt wohl primär an seinem Preis: Egal, wo: der MONOBLOC kostet selten mehr als um die 10 €. Und auch wenn 10 € nicht überall gleich billig heißt, so sind selbst im Senegal zehn Euro eine erschwingliche, zumindest keine utopisch teure Preiskategorie. Der niedrige Preis ist aber nur die eine Ursache für den unbeschwerten Zugriff auf dieses Möbel. Ein anderer liegt bestimmt in seiner 
devoten Materialität - Polypropylen -, sprich: in seiner im Vergleich etwa zu Holz oder Metall völlig unproblematischen Verformbarkeit. Er ist, wie in Löschners realen und fiktionalen Beispielen zu besichtigen, von einer schier unbegrenzten Dehn- und Biegbarkeit. Nun gehören Attribute, die solch nachgiebige Formen der Anpassungsfähigkeit bezeichnen, nicht unbedingt zu den positiven Charaktereigenschaften unserer Tage. Im Gegenteil: Auf Lebewesen, egal ob auf Mensch oder Tier angewandt, schwingt in solchen Qualifizierungen immer ein leicht abfälliger Unterton mit. Bei Löschners Modellen hingegen käme man nie auf solch negative Assoziationen. Sicher, auch hier passen sich die Stühle bestimmten Erfordernissen an, aber diese Anpassung wirkt niemals aufgesetzt, gezwungen oder gar prätentiös. 

All den hier von Löschner vorgeschlagenen Funktionen wohnt ein „selbstverständliches Selbstverständnis“ inne, das auch dem Grundmodell zu eigen ist. Man könnte auch, ohne in allzu hehren Pathos verfallen zu wollen, von einer gewissen Demut dieses Stuhltyps sprechen, von einer Demut gegenüber alltäglichsten Bedürfnissen. Denn wie kein anderer 
Stuhl versagt sich der MONOBLOC jeder Form eines funktionalen, ästhetischen oder ideologischen Sendungsbewußtseins. Er ist nicht nur Stuhl, sondern er ist Stuhl für jeden und für jede Gelegenheit.


Er ist ein allzeit bereiter stummer Diener. 




Volker Albus
 

rückgrat at Villa Flick






























exhibition for one night, curated by >>> artsation

hitchhiking


... greetings to sàndor, silvio and gino

the dudes


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Die schönste Nebensache


Leider gibt es keine Statistik, aber jede teilnehmende Beobachtung auf Grillfesten legt nahe, dass es in deutschen Gärten mehr weiße Plastikstühle als Rosen gibt. Sie werden gemeinhin als billiges Standardprodukt diffamiert, dabei haben sie das Potential zur schönsten Nebensache der Gartensaison, wie die Arbeit von Bert Löschner beweist. Löschner ist Designer, und ihm ist es zu verdanken, dass es der weiße Plastikstuhl auf alle wichtigen Möbeldesign-Messen dieser Welt geschafft hat und endlich gemäß seiner großen Rolle in unserer Kultur gewürdigt wird. Für seine Arbeit "monobloc" verformt Löschner unter Hitze das Plastik und verfremdet den Stuhl. Löschners Stühle stehen Arm in Arm nebeneinander, schwingen an Seilen oder - besonders toll, bei dem meteorologischen Glück dieses Jahr - halten einen Regenschirm. Und was können Rosen noch mal? 

Maren Keller, KulturSPIEGEL 05/2013